Kritiken zu Im blauen Mond September

Im blauen Mond September 

Klezmer Quartett Jontef im Kräuterkasten (Albstadt - 25.10.2010)

 

Jontef - das bedeutet volles Haus und sofort die richtige Atmosphäre. Wie mittelalterliche Spielleute wirken die vier zuerst, forsch, bestimmt, eingängliche Melodie "Was treibt und tobt mein tolles Blut". Doch gleich danach versetzen sie in eine andere Welt: "Und wüssten die Blumen", zart gezupfte Violin- und Kontrabasssaiten, ein sanfter Grundton auf dem

Akkordeon. Doch die Idylle hält nicht, "Warum..", der Ton wird schriller, der Rhythmus drängender. Ein Wechsel, der die meisten Stücke kennzeichnet, Harmonie gegen Dissonanz, Ruhe gegen Aufruhr, piano gegen forte. Joachim Günther hat vor allem Gedichte von Brecht, Kästner, Heine, Mascha Kaléko und Theodor Kramer vertont, also Dichter ausgesucht, bei denen keine heile Welt herrscht, sondern die mal lustig, mal spöttisch, ironisch oder traurig

Illusionen zerstören. Die Liebe im blauen Mond September erblüht, verblasst, scheitert, wird wehmütig oder sarkastisch erinnert.

Vier Meister ihres Fachs und doch ein Quartett, vier, die sich zu einem Gesamtkunstwerk gefunden haben. Sie hören aufeinander, sie spielen sich zu, sie reagieren aufeinander, zollen sich gegenseitig Anerkennung, haben sicht- und hörbar am gemeinsamen Musizieren.

Bewunderung, Freude, das empfindet auch das begeisterte Publikum, das das Quartett nach

zwei Zugaben nur ungern ziehen lässt.

Ute Büttner

 

Im blauen Mond September 

Jontef in Friedrichshafen (FRIEDRICHSHAFEN 16.8.2010)

Draußen hat am Sonntagabend der Himmel wieder einmal alle Schleusen aufgezogen. Doch drinnen, in der randvollen Schlosskirche, hat die Klezmergruppe "JONTEF' beim dritten Sommerkonzert die Wolken weggefegt.

"Wenn singt a Jid" (Wenn ein Jude singt), dann ist es entweder mit einer solchen Freude und Leidenschaft oder aber mit einer so tiefen, zu Herzen gehenden Wehmut, dass es den Zuhörer sofort packt und hineinzieht in diese fremdartige, reizvolle Stimmung. So wie am Sonntagabend im dritten Sommerkonzert in der randvollen Schlosskirche, wo ausnahmsweise nur weltliche Musik erklang.

Trotz oder gerade wegen ihrer überschäumenden Lebensfreude hat sie auch Platz in einer Kirche - nicht zuletzt, weil sie sich an religiösen Traditionen orientiert.

Das gelang bei "JONTEF" dem Schauspieler Michael Chaim Langer auf so unwiderstehlich intensive und anschauliche Weise, dass es in der Kirche ganz still wurde. Und wenn Langer singt, dann füllt er mit seinem großen Stimmumfang und mitreißender Inbrunst mühelos die Kirche, wenn er nicht gerade in leiser, inniger Melancholie versinkt. Als einzige Gruppe Deutschlands präsentiert "JONTEF" diese unvergleichliche, spritzige Mischung aus Musik und Theater, nicht nur in der Umsetzung der selbst vertonten Gedichte von Heinrich Heine und Bertold Brecht. So perfekt wie die Musiker, die seit 20 Jahren zusammen auftreten, aufeinander eingespielt sind, weiß jeder von jedemsofort, welche emotionale Verstärkung es jeweils noch braucht oder eben nicht braucht. Musikalisch sind Wolfram Ströle (Violine, Gitarre), Joachim Günther (Klarinette, Akkordeon und Komposition), Peter Falk (Kontrabass und

Komposition) jeder auf seine Weise technisch brillant und bis ins Detail genial virtuos. Musizierkunst in ihrer reinsten Form ist hier ebenso gegeben wie musikalische packende oder sensible Ausdruckskraft. Wie ein Chamäleon seine Farben wechselt, so fallen die Musiker im minutiös aufeinander abgestimmten Tempo mit filigran oder herb gestrichenen Bögen oder von beseelter Wehmut durchtränkten Akkordeon- und Klarinettenklängen von einer Stimmung in die andere. Bei "JONTEF" (Festtag) liegen Ernst

und Heiterkeit, Freude und Wehmut nah beieinander. Und wie in ihrem Namen schon zum Ausdruck kommt, ist vom ersten Stück an Festtagsstimmung. Diese in pulsierenden Rhythmen vermittelte Lebensfreude haben die Zuhörer auch in der Schlosskirche als Fest mitfeiern dürfen.

(Von unserer Mitarbeiterin Christel Voith)